Gender and Care: Zur Bedeutung informeller Pflege- und Betreuungsarbeit im Wohlfahrtsstaat Österreich

In Österreich dominiert die informelle Pflege- und Betreuungsarbeit, die größtenteils von weiblichen Familienangehörigen übernommen wird, was mit einem geringen Dienstleistungsangebot in diesen Bereichen einhergeht. Die Frauen sind aufgrund ihrer Tätigkeit großen Nachteilen ausgesetzt, wie Einkommensverlusten, Nachteilen im Sozialversicherungssystem etc. Obwohl man in der österreichischen Sozialpolitik zwischen Kinderbetreuung und Pflegearbeit unterscheiden muss, wird in beiden Bereichen noch immer davon ausgegangen, dass ein Ehepartner für das existenzsichernde Einkommen sorgt. Es gäbe zwei Lösungsmöglichkeiten: die Integrierung der informellen Pflege in den offiziellen Arbeitsmarkt oder die Integration in das soziale Sicherungssystem. Es wird gefordert, Bedingungen zu schaffen, in denen Männer und Frauen Beruf und Familie leben können, ohne, dass spezifisch Frauen in die nahezu alleinige Verantwortung für unbezahlte Pflegearbeit gezwungen werden. Österreich tendiert zum caregiving-Modell. Eine Integrierung dieses Modells ist vor allem für die Pflegearbeit derzeit noch nicht erkennbar.

Autor/Herausgeber: 
erschienen in: 
Kontraste 2004, 10, S. 6-9
Jahr: 
2004
Bestellnummer: 
3473